Montag, 18. Mai 2009

Nr. 19 - Schwarz - oder Dunkelheit Tag für Tag

Schwarz eine einfache und schwere Farbe zugleich. Meine erste Assoziation ging in Richtung Trauer, Dunkelheit, Depressionen ...... Nach etwas Nachdenken aber, fiel mir Helen Keller ein. Wenigen bekannt, aber von Mark Twain ist der erstaunliche Ausspruch überliefert, - die beiden interessantesten Charaktere des 19. Jahrhunderts seien Napoleon und Helen Keller -.


Aber wer ist diese Frau? Seit frühestem Kindesalter taub und blind, bringt sie es bis zum akademischen Studium, zur Promotion, zur einflußreichen Stellung in der Blindenfürsorge. Ihren Werdegang erzählt sie in dem Buch 'Geschichte meines Lebens', dem ersten einer beträchtlichen Reihe. Keine Frage: zu der "Welteroberung" dieser taubblinden Amerikanerin gehört nicht weniger Tapferkeit als zur gewaltsamen Unterwerfung eines Erdteils, eher mehr und jedenfalls eine bessere! Denn jeder Krieg kostet Leben und Glück von Tausenden, und der einzelne Mensch gilt dabei nichts. Hier aber wird der unendliche Wert auch des Geringsten und Schwächsten gesehen und aus dieser Einsicht gehandelt. Ein Mensch wurde dem Dunkel und dem Schweigen entrissen, er kämpfte sich leidenschaftlich und zäh durch alle Hindernisse und nutzte die errungene Aktionsfähigkeit, um seinen Leidensgenossen Wege zur Arbeit und zur Freude zu öffnen, sie gemeinschaftsfähig zu machen. Jede Seite dieses Buches bezeugt Liebe zum Leben und zu allem Lebendigen. Aber damit wir das nicht zu leicht, zu selbstverständlich nehmen, mögen hier ein paar Sätze der Verfasserin stehen, die in die Tiefe leuchten.

"Oft wenn ich träume, ziehen Gedanken durch meinen Sinn wie verhüllte Schatten, schweigend und fern - und verschwinden ..... Zu anderen Zeiten fällt von mir ab, was ich gelernt habe und gelehrt worden bin, wie eine Eidechse ihre Haut abstreift, und ich sehe meine Seele, wir Gott sie sieht. Auch seltene und kostbare Augenblicke gibt es, in denen ich im Traumland sehe und höre. Wie, wenn in meinen wachen Stunden ein Klang durch die schweigenden Hallen meines Gehörs tönte? Wie, wenn ein Lichtstrahl durch die verdunkelten Räume meiner Seele blitzte? Was geschähe dann? so frage ich immer wieder. Würde die gespannte Bogensehne des Lebens springen? Würde das Herz, erdrückt von jäher Freude, aus reinem Übermaß des Glücks aufhören zu schlagen?"


Welches Gewicht an Schmerz wurde hier umgemünzt in reine Freude und dienstbar gemacht im Wirken für die Mit-Leidenden!

Helen Keller, geboren am 27. Juni 1880 in Tuscumbia, Alabama, verlor Augenlicht und Gehör im Alter von 20 Monaten infolge einer akuten Gehirn- und Unterleibsentzündung.


Kommentare:

Ester hat gesagt…

Hallo Pe,

klein ist die Welt - grade gestern hatte ich meine Helen Keller Biographie wieder in der Hand (geschrieben von Evelyn Cleve) und habe darin geblättert.

Sonnige Grüße, Ester, die Deine Farbeinträge sehr gerne und interessiert liest!

lidia hat gesagt…

Oh, das stimmt ja traurig. Real. Kaum vorstellbar. Bin berührt und beeindruckt zugleich. Guten Abend wünscht Diana

Rena hat gesagt…

keine andere farbe würde besser zur lebensgeschichte dieser bemerkenswerten frau passen. ein unglaublich interessanter beitrag :)

lg rena

Silvia hat gesagt…

Hallo Petra
ich bin immer wieder begeistert wie du Farben in Worte fasst.Dein heutiger Beitrag hat mich sehr bewegt,habe ich durch ihn einmal mehr intensiv an meinen Vater gedacht,der 64 Jahre seines Lebens-kriegsbedingt-in "Dunkelheit" verbringen musste.Das Buch welches du zitierst hatte er als Hörbuch u er sprach mal davon das Frau Keller viel bewegt hat für die Blinden dieser Welt.Vielen Dank für diesen Gedankenanstoß.Lg Silvia
P.S. Auch wenn für uns die Farbe Schwarz oft mit "nicht sehen" verbunden wird, ist es für Nichtsehende ganz anders ,mein Vater sagte immer : ich sehe blau wenn ich mir etwas vorstelle was ich nie in meinem Leben sehen durfte ( vieles wurde ja erst nach dem Krieg erfunden u er konnte es somit nur durch Beschreibung u Fühlen erleben).

strickliese-kreativ hat gesagt…

Ich glaube meine Große hatte in der Schule mal etwas über Helen Keller gehört. Es ist unglaublich wie jemand so weit kommen kann, wenn er gleich mit zwei sehr schweren Behinderungen geschlagen ist. Ich stelle es mir immer vor wie es sein müsste, gleichzeitig taub und blind zu sein, und augenblicklich fühle ich mich einsam und isoliert.
Du hast Dir wirklich ein tolles Beispiel ausgesucht.
Liebe Grüße von Inken

Ann hat gesagt…

Dein geschriebenes macht lust auf mehr...interessante geschichte...danke ich glaub ich suche mal die biographie zum lesen...
liebe grüsse ann

roswitha hat gesagt…

Ich habe in meiner Ausbildung als Kleinkinderzieherin einen Film über Helen Keller gesehen und war sehr beeindruckt von ihr! Es ist wirklich eine tolle Frau!

Liebe Grüsse
Roswitha

Julianna hat gesagt…

Das hast du aber wieder mal sehr gut zusammen gesucht. Respekt.
Ich freue mich jeden Tag bei dir vorbei zu schauen.

Einen schönen Tag, Julianna

Martina hat gesagt…

Sehr schöne Umsetzung dieses Themas - wie alle deine Farbkompositionen die ich nicht jedesmal kommentiere aber immer gerne ansehe.

Lieben Gruß
Martina

Ina: hat gesagt…

Ich habe von Helen Keller noch nie gehört und finde es deshalb höchst interessant. Allerdings geht es über meine Vorstellungskraft, wie jemand der nicht sehen und hören kann, schreiben lernt. Und wenn jemand noch nie bewußt Sprache gehört hat,wie "lernt" er denken? Ich glaube ich muß das Buch mal lesen.